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03.05.2017

Die Entscheidung!

Ende März blieben Corinna und mir zehn Angeltage samt Nächte in der Waller-Welt, bevor unser Weg Anfang April nach Bayern weitergehen sollte. Wir wollten dort Stefan bei einem Waller-Workshop in Elchingen unterstützen und anschließend nach Neumarkt zur Jubiläumsmesse von Fisherman’s World fahren. Wir hatten also einen recht straffen Zeitplan, so dass wir keinen Tag verschenken wollten.
In Italien angekommen, machten wir uns erst einmal ein Bild von der Gesamtsituation, damit wir uns eine passende Strategie zurecht legen konnten. Das Wasser stieg leicht an. Im Camp und von anderen Anglern am Fluss hörten wir, dass die Fische flach auf Sandbänken beißen würden und das in Wassertiefen von bis zu zwei Meter. Wir standen vor der Entscheidung, flache Bereiche zu befischen oder doch einen Versuch an tiefen Steilkanten, Naturufern sowie Steinpackungen zu unternehmen. Mein Bauchgefühl sagte mit, dass wir in den tiefen Bereichen unsere Köder ablegen sollten, weil ich dort die größeren Fische vermutete und wir dadurch komplett anders angelten, als es seit Wochen dort von den Walleranglern an der Tagesordnung lag.
Wir steuerten mit unserem Mext-Boot ein Naturufer an, das auf bis zu 10 m Wassertiefe abfiel und viele versunkene Bäume aufwies. Dieser Platz hatte mir in den letzten Jahren schon so manchen Ausnahmefisch beschert. Zusammen legten wir die Wallermontagen, die teilweise mit den neuen Eva Floats montiert waren, an sechs bis zehn Meter Kanten in die Nähe des Holzes ab. Wir machten es uns auf dem Boot bequem und während ich noch darüber philosophierte, ob wir mit der Platzwahl die richtige Entscheidung getroffen haben, verneigte sich auch schon die erste Wallerrute und die Big Bells Wallerglocke riss mich aus meinen Gedanken. Nach einem spannenden Drill konnte ich zum Wallergriff ansetzen und den ersten Wels, der gleich die zwei Meter Marke sprengte, in das Schlauchboot ziehen.
Der Anfang war gemacht, aber war es nur ein Zufallstreffer? Nein, am Morgen knallte es und einer der flussauf abgelegten Köder wurde von einem Waller attackiert, so dass ein Fallbiss enstand. Schnell die lose Schnur aufgekurbelt, merkte ich sofort den harten Widerstand und wusste, dass der nächste Gigant am Haken hing. Ein Drill auf Biegen und Brechen lief ab und wir konnten nach schier endlosen Minuten einen weiteren tollen Wels mit schätzungsweise 95 bis 100 kg in das Mission Craft Schlauchboot hieven. Die beiden großen Welse bissen übrigens auf die EVA Floats, was ich noch als Zufall abstempelte, aber ich kann vorweg sagen, dass es sich die gesamte Zeit so durchziehen sollte und ich von der Fängigkeit der kleinen Auftriebskörper überwältigt bin. Jetzt wussten wir, dass unsere Strategie wohl doch nicht so verkehrt sein konnte und wir befischten den Platz weiterhin. Jede Nacht erlebten wir ein ähnliches Schauspiel und konnten selbst tagsüber weitere Fische verbuchen. Nach einer Woche, die wohl längste Zeit, die ich ein und denselben Platz befischt habe, fuhren wir ins Camp, um uns von den vergangenen schleimigen Tagen zu duschen und mit neuer Frische angreifen zu können.
Weiter ging es und wir peilten eine Steinpackung mit einem ähnlichen Kantenverlauf und Tiefenstrukturen an, nur dass dort kein Holz im Wasser lag. Allerdings ist das Wallerangeln in der Packung eine sehr spannende Angelegenheit, da sich dort viele Rapfen auf Raubzug begeben und die großen Rapfenfresser also nicht weit sein können. Wir legten die Wallermontagen zwischen 4,5 bis 8 m in der Steinpackung ab und ließen uns überraschen, was uns die Folgetage bringen sollten. So wie es aufgehört hat, ging es weiter und wir konnten teilweise beim Auslegen der Köder bis zu sechs Waller fangen, so dass die letzten Tage zur Schwerstarbeit wurden.

Voller Wehmut machten wir nach zehn Angeltagen Auto und Boot startklar, ehe es Richtung Elchingen zum Wallerworkshop ging. Während der Fahrt kühlten wir unsere Hände, die durch die Zahnplatten der Waller wund waren und es den Anschein machte, als wäre mehr Fleisch als Haut zu sehen. Dabei ließen wir die Wallertour Revue passieren, denn mit knapp 30 Welsen, worunter viele Großfische waren, hatten wir wirklich wahnsinnige Angeltage hinter uns, so dass wir sagen konnten, dass unsere Entscheidung tief zu fischen, die richtige war.



Schleimige Grüße



Ruwen Koring


www.ruwen-koring.de


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