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28.03.2018

Frühjahrs-Stippvisite in Italien’s Waller-Camp

Anfang März hatten Matthias Pirker und ich ein Waller-Guiding in Cremona. Unsere sechs Guiding-Gäste freuten sich auf ein großes Abenteuer im Waller Camp von welsboot.at am oberen Mittellauf des Po’s. Noch konnten wir nicht erahnen, dass wir bei diesem Aufenthalt so manche Überraschung erleben würden. Den Auftakt machte das Wetter, das alles andere als frühlingshaft war. Wer hätte gedacht, dass sich der Winter in Cremona noch einmal als solcher richtig zeigen würde. Lange kalte Nächte ohne jegliche Aktivität am Wasser. So hatten wir uns das nicht vorgestellt! Doch unser fester Glaube an das große Abenteuer am Po mit fischreichem Ausgang sollte sich bewahrheiten. Dafür mussten wir jedoch erst einmal eine Durststrecke überstehen...
Im März kann man in Italien normalerweise schon mit Sonne und Frühlingstemperaturen rechnen. In diesem Jahr fielen dicke Schneeflocken, als wir in Cremona ankamen. Der Po schlängelte sich gemächlich durch eine schneebedeckte Landschaft – ein Anblick, den wir seit Jahren nicht gewohnt waren. Von den Italienern erfuhren wir später, dass es seit Jahren nicht mehr so ausgiebig viel Schnee gegeben hatte. Der Pegelstand des Po lag ziemlich niedrig und für die nächsten Tage war auch mit keinem Anstieg zu rechnen. Die Wassertemperatur betrug 3,5 Grad. Diese Tour hatte uns eiskalt erwischt. „Das wird hart“, soviel stand fest. Matthias und ich hatten uns im Vorfelde abgesprochen, wie wir das Ganze angehen wollten. Trotz der widrigen Bedingungen hielten wir an dem Zauber fest, den Waller an die Angel zu bekommen und den Guiding-Gästen einen unvergesslichen Saisonauftakt zu bieten.
Die ersten Tage hatten wir mehr mit dem Wetter als mit den Wallern zu kämpfen. Der Schneefall dauerte noch weiter an und ging erst allmählich in Regen über. Eisiger Wind und Nebel hatte uns fest im Griff. Unsere Gäste hatten sich aufgeteilt. Strategisch mussten Matthias und ich vorgehen, ständige Absprachen waren die Regel. Dazu gehörte, dass wir bereits verschiedene Plätze beangelt und auch verschiedene Tiefen ausprobiert hatten. Ohne Erfolg. Auch beim Klopfen konnten wir keine einzige Silhouette auf unseren Echoloten erkennen, auch keinerlei andere Aktivitäten im Gewässer. Die Durststrecke erwies sich als ziemlich lang. Die Kurve der positiven Grundeinstellung machte so langsam einen Knick nach unten. Gab es hier überhaupt Fische?
Matthias und ich wurden allmählich nervös. Das Gedankenkarussell kam noch einmal richtig in Fahrt. Was konnten wir besser machen? Dann kam der alles entscheidende Entschluss, wir stoppen die Gedanken und werden einfach nur angeln. Und das war es! Unsere positive Einstellung und unsere Motivation übertrugen sich anscheinend auch auf das Wetter, denn plötzlich stiegen die Temperaturen und der Schnee schmolz nur so dahin. Unglaublich! Sogar, die Sonne ließ sich blicken. Die Durststrecke lag hinter uns. Der Waller konnte kommen.
Und das tat er auch. Endlich bog sich eine Rute gewaltig: Der Hebel im Kopf legte sich schlagartig um. Mit einem Mal hatten wir es mit einem Kampf zu tun. Kurz darauf brach das Chaos aus: Einer unserer Gäste machte einen Fehlgriff beim Annehmen der Angel und so räumte der Fisch eine zweite abgespannte Rute ab. Die Glöckchen schrillten unaufhörlich. Dann zog der Gigant ans Ufer unter ein Geäst. Die Spannung an der Angel war weg. Nervenkitzel pur, mit vereinten Kräften konnten wir die Schnur befreien und nach kurzem Drill den Waller landen. Der Gigant war ein stattliches Exemplar mit über zwei Metern.
Diesen Glücksplatz verließen wir auch am kommenden Tag nicht. Die Waller-Glöckchen gaben wieder alles und es lief wie am Schnürchen, ein weiteres wuchtiges Exemplar von über zwei Metern landete bei uns am Haken. Am Ende der Woche bekamen unsere Gäste dann auch noch zwei kleinere Draufgaben.
Ein mehr als gelungener Start in die Saison! Unser Resümee: Unter erschwerten Bedingungen können aufkommende Probleme nur mit verschiedenen Strategien und Taktiken bewältigt werden. Niemals die Motivation verlieren und mit Herzblut und viel Ausdauer an die Widrigkeiten herangehen.
Den eigenen Gefühlen treu bleiben und schon schrillt das Waller-Glöckchen – denn der Teufel steckt im Detail!
Ein fischreiches Frühjahr wünscht Euch Euer
Johann Troppacher