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06.06.2018

Klasse statt Masse - Wallerglück am Ebro River

Olé España! So starteten wir, Andre Schmidt und Timo Kleinekemper, Ende April in eine zweiwöchige Tour zum Wallerangeln an den Rio Ebro in Spanien.

Voller Euphorie und mit gepacktem Bulli ging unsere Reise los. Die Sonne mit im Gepäck. Doch schon nach ein paar kurzen Telefonaten mit Oliver Schier, von www.urlaub-nach-mass.com, zogen bei uns die ersten Wolken auf. Er teilte uns mit, dass es in den letzten Wochen ergiebigen Regen gegeben hatte. Das Fischen würde nicht ganz einfach werden. Für uns umso mehr eine Kampfansage! Ansonsten lief alles nach Plan und wir kamen nach 20-stündiger Autofahrt an unserem ersten Gewässer an. Wir waren völlig erschöpft, sahen dann aber Spanien’s atemberaubende Kulisse und in uns zwei „müde Stockfische“ kehrte Energie und Motivation zurück. Doch unsere Geduld wurde auf die Folter gespannt:
Wir angelten die ersten vier Tage am Rio Ebro, doch an diesem Gewässer war eine präzise Köderpräsentation kaum möglich. Unsere Montagen waren Freiwild für riesige Krautfelder und ganze Bäume, die den Fluss heruntertrieben. Wir trafen die Entscheidung, uns von diesem Gewässer zu trennen. Später stellte sich heraus, dass das für uns eine glückliche Fügung war. Wir lagen mit der Entscheidung goldrichtig!
Nach dem Motto „Neues Gewässer, neues Glück“ brachten wir dieses Mal unsere Köder mit einem Kajak an einen viel versprechenden Spot. Wir hatten diesen vorher sehr lange und ausgiebig inspiziert. In einer langgezogenen Innenkurve fanden wir strömungsarme Bereiche zum Befischen.

In dieser ersten Nacht dauerte es nicht lange und meine Black Cat Freestyle machte eine amtliche Verbeugung. „Anschlag“! Der Fisch hing und der Kampf verlangte mit alles ab. Ich wusste nicht, ob es mir gelingen würde, aber ich musste versuchen, den Fisch recht zügig durch die starke Strömung zu bringen. Der lange Kampf wäre sonst gescheitert. Dazu trommelte die Black Cat Buster, was das Zeug hielt. Dann endlich –  nach 25 Minuten konnten wir den Fisch landen. Olé! Was sahen da unsere entzückenden Augen: Ein echter Brecher, wir freuten uns tierisch! Jetzt mussten wir am Wels bleiben – so konnte es weitergehen.
Am nächsten Morgen ein Wehrmutstropfen für uns, die Ernüchterung kam: Dadurch, dass wir in den vergangenen Tagen Temperaturen jenseits der 25 Grad hatten, machte uns das Schmelzwasser aus den Bergen Probleme. Es floss vom Tal aus direkt in das Gewässer, in welchem wir fischten. So wurde aus einem relativ ruhigen Gewässer sehr schnell ein reißender Fluss. Am darauffolgenden Tag zogen wir mit unseren Montagen auf die andere Seite, um in den ruhigeren Zonen zu spannen. Am dritten Tag war selbst dieses nicht mehr möglich.


Was sollten wir tun? Auf jeden Fall wollten wir unseren Spot nicht aufgeben, das stand fest. Wir wussten, dass hier noch Potential vorhanden sein musste. So rückten Andre und ich ein wenig näher zusammen und spannten unsere Ruten in einer Bucht ab, wo quasi das Schmelzwasser dran vorbei rauschte. Die Wassertemperatur in dieser 2,2 Meter flachen Bucht war relativ konstant. Anders als im Strömungsbereich, wo die Temperatur durch das Schmelzwasser um rund fünf Grad fiel.

Unser Plan ging voll auf. Andre konnte tatsächlich den zweiten großen Waller unserer Tour drillen. Die Black Cat Wild Cat’z vollbrachte mal wieder eine Meisterleistung. Durch die Uptide-Teilung hat man einen fast durchgehenden Blank, welches ein mächtiges Drillgefühl bietet. Absolut mega-in! Nach einer gefühlten Ewigkeit lag Andre’s Fisch endlich auf der Matte.

Wir tanzten noch völlig im Freudenrausch, als meine Freestyle auf sich aufmerksam machte. Schon wieder ein Olé! Uns wurde schnell rasiermesserscharf klar, dass war ein Fisch jenseits der 100 Kilo Marke! Aber er meinte es nicht gut mit uns. Schon nach 20 Minuten Drill im Flachwasser zog der Fisch ohne anzuhalten in die starke Strömung, die zirka 20 Meter links an uns nur so vorbeisauste. Wir mussten die Freestyle zu zweit halten und die Black Cat Buster von Hand zusätzlich bremsen. Der Kampf schien aussichtlos zu sein. Der Wels verabschiedete sich in die Hauptströmung und war für uns nicht mehr zu halten. Nachdem der Brocken noch 200 Meter Schnur von meiner Rolle gerissen hatte, schlitze dieser Fisch leider aus: „Shit happens“!
In den darauffolgenden Nächten fingen wir noch eine Handvoll guter Fische, die uns kräftig bei Laune hielten. An Schlaf war jedenfalls nicht zu denken. 

Unverschämtes Glück brachte uns dann der absolute Wels dieser Tour. Er kreuzte bei Andre in der letzten Nacht auf. Ich denke, die Bilder sprechen für sich. Solche Wahnsinnsfische unter solchen widrigen Bedingungen zu verführen und auch dann noch sicher zu landen... – welch unglaubliche Herausforderung, die wir mit Bravour gemeistert haben. Für uns war unser Hotspot eine Art Arena, in der wir wie ein Torero gekämpft haben. Wir haben unvergessliche Momente in freier Natur erlebt, waren mit phänomenalem Gerät ausgestattet und kommen zu unserem Fazit: „ Olé – Klasse statt Masse!“

Hasta la vista baby – wir sehen uns!
Andre Schmidt und Timo Kleinekemper