Sie befinden sich hier:

04.12.2018

Dicht gefeedert

In diesem Jahr konnte ich bei zahlreichen Ansitzen mit dem Methodfeeder immer wieder feststellen, dass die großen Fische im wahrsten Sinne des Wortes „unter“ dem Radar des Anglers hindurchschwimmen und sich ihm somit geschickt entziehen.

Um erfolgreich auf große Fische zu gehen, scheint die Devise für Angler oftmals „je weiter - desto besser“ zu lauten. Mit folgender Begründung: mit wachsendem Angeldruck ziehen sich die Fische immer weiter ins freie Gewässer zurück, um der Gefahrenzone unserer Ruten zu entfliehen. Will man den großen Schuppenträgern also erfolgreich nachstellen, sollte man sein Glück auf weite Entfernung zum Ufer suchen. Diese Herangehensweise birgt allerdings zwei Schwachstellen: Erstens besitzen viele Angelgewässer, wie zum Beispiel kleine Vereinsweiher, nicht die notwendige Größe, damit sich ein solches Verhalten der Fische überhaupt einstellen kann. Zweitens würden den Schuppenträgern die unzähligen, nicht so weit geworfenen Köder der Angler, die ihnen einfach Energie liefern könnten, entgehen. Die Frage lautet nun, wie die Fische ihr Verhalten unter Betrachtung dieser beiden Einschränkungen angepasst haben.

Die Antwort ist simpel: Sie wählen das andere Extrem und stehen ganz nah am Ufer. Das heißt, wir können mit ihrer Gegenwart zwischen 10 und 100 Zentimetern von der Uferkante gemessen rechnen!
Das Gros der Angler geht davon aus, dass ihre Anwesenheit am Angelplatz und die damit verbundene Unruhe eventuell vorhandene Fische flüchten lässt und versucht deshalb ihr Glück erst ab einer Entfernung von zirka fünf Metern aufwärts. Dieses Verhalten der Petrijünger ist jedoch nicht unbemerkt geblieben: Große und misstrauische Fische werden von unseren Aktivitäten geradezu angezogen und stellen sich in der Komfortzone des unmittelbaren Randbereiches direkt vor unsere Füße. Begierig sammeln sie hier achtlos ins Wasser geworfene, ausgelutschte oder übrig gebliebene Köder auf, ebenso gern wie herausfallende Partikel aus dem Futterkorb.

Diese Erkenntnis hat mich dazu veranlasst, wenn ich mit meinem Methodfeeder unterwegs bin, neben dem standardmäßigen Platz draußen im Freiwasser auch immer einen Platz direkt am Rand herzurichten. Dieser wird vom Stil her so gefüttert, als ob die Köder nicht bewusst eingebracht wurden, sondern durch Zufall ins Wasser fallen würden. Mal etwas lockeres Futter, mal ein paar Pellets, mal ein paar zerdrückte Maiskörner, alles von Hand geworfen, um etwas Streuung zu erzeugen.
Stellen sich mit fortschreitender Angelzeit Beißpausen am eigentlichen Platz draußen ein, ist die Zeit gekommen, um den Gewässerrand das erste Mal anzutesten. Ein wichtiger Tipp direkt vorab: Lassen Sie die Rute nie aus den Augen, sondern bleiben Sie immer griffbereit, um jederzeit einen urplötzlichen, brachialen Biss annehmen zu können.

Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die Fische am Rand im Schnitt deutlich größer sind, welches den etwas schlechteren Rhythmus gegenüber dem Freiwasser häufig überkompensiert. Eine Strategie, die geradewegs auf den Uferbereich ausgerichtet ist und sich als durchaus lohnenswert gezeigt hat! Sollte der Hauptplatz mal schwächeln, wäre häufig der direkte Randbereich vor den Füßen ein attraktiver Lückenfüller zum Ergattern von (ge)wichtigen Bonusfischen. Bei meinem letzten Ansitz konnte ich so einen Giebel von 1.500 Gramm an einem Gewässer erbeuten, an dem ein 400-Gramm-Giebel sonst schon ein echtes kapitales Exemplar seiner Spezies darstellt. Also Marke „Wuchtbrumme“.

Gerätetechnisch eignen sich für diese Angelei in den „Margins“, wie die Engländer den Uferbereich nennen, am besten sehr kurze Feederruten von ungefähr 2,50 Metern Länge, mit denen der Köder hervorragend an Büschen, Bäumen, Schilf und anderen Hotspots platziert werden kann. Die kurze Länge erlaubt das „Ausschnicken“ mit einem Unter-Handwurf, womit man seinen Korb sogar unter Hindernisse bekommt. Zudem gestaltet sich der Drill mit kurzen Ruten deutlich schneller. Erfolgversprechende Plätze mit überhängenden Bäumen am Angelplatz stellen somit beim Auswurf keinen Hinderungsgrund dar. Meine erste Wahl für diese Art der Angelei ist aus den genannten Gründen die Commercial King Wand in 2,45 Metern aus dem Hause Browning. Allerdings warte ich jetzt schon ganz gespannt auf die im Handel neu erschienene und noch bessere Version, die unter dem Namen Carp King CK Wand erhältlich ist.

Meine Empfehlung für ein gutes Feeder-Margin-Setup lautet wie folgt:

Rute: Browning CK Wand 2,45 Meter
Rolle: Browning Commercial King CK-2 440
Schnur: Browning Method Mono in 0,22 Millimeter
Methodfeeder: Browning Black Magic Method Feeder in 20 Gramm

Die Schnurstärke mag etwas dick erscheinen, indes kann sie überdies noch stärker gewählt werden, da im Uferbereich oft viele Schnurkiller wie versunkene Äste, Steine, Muscheln etc. anzutreffen sind.

Mein Motto: Wer nichts testet, findet auch nichts heraus. Geben Sie dem unmittelbaren Uferbereich bei Ihrem nächsten Ansitz eine Chance, um das Potential zu erkunden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich lohnen wird.

Viel Erfolg und allzeit Petri Heil
Euer
Christian Dörr
Team Browning Saarland