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29.10.2015

Vienna Firefighter in der Krauthölle

Ende September wurde es immer kälter und die Sonne zeigte sich auch nicht mehr so oft. Dieses Mal kamen meine Gäste aus Österreich und hatten bereits in Spanien Wallererfahrung gesammelt. Der 64-jährige Routinier Norbert hat schon so einige Angeltouren erlebt und wollte lediglich den Zandern und Barschen nachstellen. Er hatte sich vorgenommen, höchstens im Notfall einzusteigen, wenn die anderen Zwei nicht mehr können: dazu später mehr. Die beiden Jungs waren das erste Mal bei mir und heiß auf eine Adventure Tour.

Wir befischten einen tiefen Pool mit reichlich Kraut und eine Außenkurve, in der ich die richtig Dicken vermutete. Bereits nach einer Stunde Fischen konnte Alex sich mit dem ersten 2-m-Waller messen. Wahnsinn, was die Waller gerade für eine Power haben und so war der Drill auch echt interessant und kräftezehrend, doch Alex blieb Sieger mit einem bildschönen Waller mit schneeweißen Bauch und Brustflossen.

So ging es dann drei Tage weiter mit vielen guten Fischen und vielen Aktionen. Von Langeweile keine Spur und alle hatten Spaß an der Fischerei. Meine Gäste waren bereits mehr als zufrieden von der Anzahl und Größe der Waller. Jedoch wollte ich mehr und einen absoluten Endgegner.

So zog ich mit Alex los, bewaffnet mit einer Machete, einen Anker und einer Säge. Ich wollte einen Platz befischen, der es in sich hat: im wahrsten Sinne des Wortes. Dort angekommen, standen wir beide vor einer 2,50 m hohen Dornenhecke, die so dicht war, dass wir nicht einmal ans Land kamen. So konnten wir nur mit dem 10 kg schweren Klappanker werfend mit dem Boot raus fahren, um dann Stück für Stück einen Anfang zu bekommen. Alex hörte beim 100. Mal Werfen auf zu zählen ... Danach machten wir den Feinschliff von Land aus und nach drei Stunden war der Platz dann befischbar. Dazu muss ich sagen, dass der Standort direkt neben einen Sch…einlauf von einem Dorf lag, was man auch sehr gut riechen konnte: nicht Jedermanns Sache. Wer mich kennt, weiß, dass mir nix zu extrem ist, um an einen guten Fisch zu kommen. Alex und ich waren komplett zerrissen und hatten echt blutende Wunden. Und ich dachte mir insgeheim, hoffentlich kommt da der Bolle und die Arbeit macht sich bezahlt. Am Platz angekommen, desinfizierten wir erstmal unsere Wunden und beschlossen, am darauffolgenden Tag zu den neuen Platz zu moven.

Am nächsten Tag waren bei hohem Wasserstand und viel Strömung auf dem Bach alle vier Ruten wieder scharf. Ich beschloss, so wenig wie möglich im Wasser zu haben, um möglichst wenig Kraut zu fangen. Bereits vor Jahren habe ich hier schon mal getestet, Freeline zu fischen und nur das Vorfach im Wasser zu haben. Das brachte mir damals viele große Fische fing.
Mir fiel schnell auf, dass die Montage dieses Mal kein Fisch bringt, da das Kraut den Köder an die Oberfläche drückt. Also schaltete ich sofort um auf Front Zone Rig, was reichte, um den Köder frei zu halten und möglichst wenig Schnur im Wasser zu haben. Jetzt ging es Schlag auf Schlag mit vielen guten Fischen. Gegen Mittag kam dann der Volleinschlag, auf den wir gewartet habe und Alex hatte beide Hände voll zu tun. Der Drill zog sich 15 Minuten lang hin. Den wollten und sollten wir haben, denn den haben wir uns mehr als erarbeitet. Auf Biegen und Brechen ein Fisch von 2,37 m war das Resultat: der Wahnsinn!

Am Abend war mal wieder Mario dran, der den Halt beim Anschlag verlor und irgendwo hängen blieb und sich dabei die Hand sehr tief aufriss. Trotzdem drillte er den kampfstarken knapp 2 Meter-Fisch mit Schmerzen zu Ende. Nachdem wir den Fisch versorgt hatten, sah ich bereits an der blutverschmierten Rolle, dass es schlimm sein musste. Das hieß: sofort ab in die Notaufnahme. Dort wurde Mario blitzschnell getackert und bekam ein Verband. Das Blöde an der Sache war, dass damit für Mario die Woche gelaufen war und er keinen Waller mehr drillen konnte. Shit happens: als Koch war Mario eh unersetzbar und hatte Gott sei Dank bereits vorher ein paar richtig gute Waller gefangen.

Jetzt musste der Joker und Routinier Norbert ran. Er war schon zig Mal in Spanien und hatte bereits etliche Waller über 2 Meter gefangen. Ich dachte mir nur, was will der noch fangen und fragte ihn, was denn sein größter Waller war. Er antworte stolz 2,28 m. So was motiviert natürlich einen Guide und ich wollte natürlich, dass auch Norbert seinen größten Waller bei mir fängt. Was soll ich sagen? Um 3 Uhr in der Nacht knallte die Rute nach vorne und ein Ebrobulle nahm bereits am Ufer Schnur. Schnell ging es aufs Boot und der Kampf begann jetzt erst richtig. Ich dachte zwischenzeitlich zwei Mal, gleich ist die Rute weg, doch Norbert gab nicht auf und blieb natürlich Sieger. Die Freude war grenzenlos und der Waller mit 2,41 m noch einmal größer als Alex PB -  der Wahnsinn. Die Freude war riesig über den Ausnahmefisch. Norbert war aus dem Häuschen und hatte, obwohl er nur Barsch und Zander fangen wollte, nun seinen neuen PB in den Armen liegen. Ich sage es ja immer wieder: je Oller desto doller ...

Ich freu mich riesig über eine gelungene Tour mit drei strahlenden Gästen, bei der jeder seinen Traumfisch fangen konnte. Am Schluss standen wir bei genau 20 Waller, jede Menge 30+ Barschen und ein paar Zandern.
Der nächste Trip ist geplant und dann geht’s zusammen nach Italien.
Man ist nie zu alt für seinen neuen PB ;-)

Gruß Chris
www.chris-adventure-tours.com