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30.10.2015

Sappy zum Fressen gern

An die Reling gelehnt blicken Flo und ich verschlafen auf die vorüberziehende Küstenlinie und inhalieren die frische Meeresbrise.

Mitte Oktober befinden wir uns an Deck der MS Blauort. Ein Angelkutter, der regelmäßig von Laboe an der Kieler Außenförde zum Hochseeangeln auf die offene Ostsee hinausfährt. Wir sind Gäste des SAV Großenlohe, einem Angelverein aus Hamburg. Zusammen freuen wir uns auf dicke Ostseedorsche.

Es dauert jedoch noch gute 2 Stunden bis zum Fanggebiet. Die Zeit nutzen wir, um unser Angelgerät zusammenzubauen und versorgen uns mit Kaffee und Brötchen aus der Kombüse. Verträumte Seefahrerromantik kommt auf, während das 24 Meter lange Schiff Fahr aufnimmt.

Langsam werden all Petrijünger unruhig. Jeder hat den Wunsch auf fette Beute. Der Kapitän nimmt Fahrt raus und positioniert die 600 PS starke Lady zur ersten Drift. Die Geilheit wird durch ein lautes „Tuuut“ des Horns erlöst. Alle Köder klatschen nahezu gleichzeitig auf die Wasseroberfläche und unter Wasser beginnt die Köder-Choreografie. Mit zupfenden Bewegungen tanzen Pilker und Gummiköder gleichermaßen über den Meeresboden. Es dauert nur einen kleinen Augenblick und schon krümmen sich die ersten Ruten. Halbstarke Dorsche können dem verführerischen Tanz nicht widerstehen und packen direkt zu. Bei Florian und mir beißen ebenfalls nur die Kleinen, die nach einem Schmatzer wieder entlassen werden. Kapitän Jasper wirft die Maschine wieder an und hupt zur Weiterfahrt. Vielleicht verspricht die nächste Drift mehr Fisch.

Nach etwa zehn Minuten Fahrt geht’s weiter. Auf dem kleinen Deck am Bug des Kutters, den der SAV Großenlohe im Vorweg neben ein paar Seitenplätzen am Schiff reserviert hatte, sind sofort wieder fast alle Ruten krumm. Der Kapitän dirigiert einen seiner Bootsleute zum Landen eines großen Fisches nach vorne. Mit dem Gaff wird der erste Dicke an Bord gehievt und unserem Angelfreund, José Martins, oben aufs Oberdeck gereicht.

Es folgen weitere schöne Küchendorsche. Auch bei mir ist die Rute nun endlich richtig krumm. Mein Anglerherz rast, während ich den ersten Guten an die Oberfläche pumpe. Nur Flo, der guckt uns allen irgendwie nur zu. Die nächsten Driften verlaufen wechselhaft. So richtige Klopper sehen wir nur noch selten.
Nach dem Mittagessen ändert Flo seine Strategie. Er wechselt von seinem Jigsytem mit zwei Beifängern zu einem Jig-Kopfhaken von 50g und holt unseren neuen Sappy Shad in der Farbe Rainbow aus der Köderkiste und stülpt ihn über den großen Haken.

Dieser neue Gummifisch scheint heute ganz oben auf dem Speiseplan der großen Dorsche zu stehen. Endlich ist Florian’s Rute krumm. Der Drill ist kräftig und spritzig. Neugierig wandern die ersten Blicke der anderen Angler zu Flo. Ein erlösendes Lächeln macht sich in seinem Gesicht breit, als er den mitte 50er Dorsch in den Händen hält. Flo wirft erneut aus, führt den Köder langsam über den Grund und wieder wird der Sappy von einem Brummer inhaliert. Jetzt hat Florian die Aufmerksamkeit aller Angler im vorderen Bereich des Schiffes auf sich gelenkt. Im Bug verteilen wir die ersten Sappy’s an die neugierigen Petrijünger. Es erfolgen weitere Aufschreie, als sich die nächsten Ruten zur Wasseroberfläche neigen und immer wieder das Gaff verlangt wird. Spätestens jetzt hat der Sappy einen Platz in Anglerherzen der salzigen Petrijünger und demnächst auch ganz bestimmt in deren Köderkisten.

Mit gut gefüllten Fischkisten legt der Kutter um 17:30 Uhr wieder an seinem Platz am Hafen an. Zufrieden verlassen wir die MS Blauort im Hafen von Laboe und freuen uns auf gebratene Dorschfilets am Abend.

Tight Lines
Betty & Flo