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28.10.2014

Im Wallerrausch des Po’s!

Die ersten zwei Oktober-Wochen war es wieder soweit und es zog mich und meine Freundin nach Italien zum Po in die Waller-Welt von Markus Eule. Bei unserer Ankunft wurden wir mit Niedrigwasser begrüßt, was für uns bedeutete, dass wir uns auf eine ganz bestimmte Fischerei einstellen konnten, nämlich das Bootsfischen.

Es herrschte T-Shirt-Wetter mit strahlenden Sonnenschein und Temperaturen um die 25°C. Das Wasser war mit knapp 20°C noch sehr warm und die Waller suchen während einer solchen Phase oftmals die stark strömenden Bereiche auf. Diese Stellen findet man nicht etwa auf den überfischten Sandbänken, sondern an stark abfallenden Steilufern der Fahrrinnenseite, wo ein Uferangeln schier unmöglich ist.

Nachdem mein Skiff mit etwas Verzögerung endlich startklar war, machten wir uns gegen Nachmittag auf und befestigten das Boot am Steilufer eines solchen Bereiches. Es war mittlerweile spät geworden und trotz der großen Müdigkeit, bedingt durch die 15-stündige Anfahrt, beschlossen wir trotzdem noch schnell ein paar Montagen auszubringen. Gesagt, getan und es ging in die erste Nacht, die uns lange Zeit die nötige Ruhe geben sollte, die wir brauchten, um uns zu erholen. Nach Sonnenaufgang allerdings ging „The Cat II“, einer meiner „Favorites“ von Black Cat, in die Knie und stand gekrümmt im Bootsrutenhalter. Nach hartem Drill in der starken Strömung meldete sich nur wenig später die nächste Wallerrute und Wels Nummer Zwei konnte dingfest gemacht werden. Mit diesen Welsen war der Start gemacht und sie waren nur der Anfang sehr fischreicher Tage und Nächte, die noch auf uns zukommen sollten.

Gegen Mittag checkte ich den Spot in Bezug auf Tiefen sowie Unterwasserholz nochmals genauestens ab, um am Abend die Montagen noch gezielter präsentieren zu können. Während ich zwei Köder flussauf an die Strömungskante umlenkte, setzte ich vier Steinmontagen samt Unterwasserpose flussab in unterschiedlichen Abständen zum Boot bis hin zu 250 m Entfernung. Ich war gerade mit der letzten Wallerrute fertig, da schepperte es auch schon und ein brachialer Drill begann, bei dem „The Cat II“ der Sieger bleiben sollte. Einige Minuten später lag der erste 2-m-Wels im Schlauchboot und wir philosophierten über die ersten 24 Stunden am Po, als nur kurze Zeit später plötzlich eine meiner Freestyles zum Tanz gebeten wurde. Mit aller Kraft versuchte ich schnell den Fisch vom Boden und den versunkenem Holz wegzubekommen. Dies gelang mir und der Fisch hatte fast exakt dieselbe Größe, wie der erste. Ein grandioser Start lag hinter uns, aber die Waller hatten jetzt Mitgefühl und ließen uns erst einmal ein paar Stunden Schlaf nachholen, bevor am Morgen ein Paukenschlag auf uns warten sollte.

Nachdem um 6 Uhr der nächste Fisch biss, folgte ein weiterer nur eine halbe Stunde später. Dieser nahm den Köder einer flussauf gespannten Wallerrute. Während ich drillte und gerade an meinem verankerten Skiff vorbei kam, sah ich wie eine weitere Wallerrute bis zum Zerbrechen gekrümmt im Bootsrutenhalter stand. Jetzt hieß es Vollgas geben, ab zum Boot und samt Waller in den nächsten Drill gehen. Während eines anstrengenden Drills, übergoss ich den wartenden Fisch fast ununterbrochen mit Wasser, so dass aus meinem Schlauchboot relativ schnell ein Pool wurde. Aber auch dieses Mal behielt ich die Oberhand und ein Wels der die 2-Meter-Marke weit durchbrach gesellte sich hinzu.

Einfach ein Traumstart in diese Wallertour und es war kein Ende des Erfolges in Sicht. Bis zum achten Tag konnten wir das Wallerkonto auf über 20 Fische hochschrauben. Meiner Freundin muss ich ein großes Kompliment machen, weil sie die kompletten zwei Wochen nicht nur immer gut gelaunt nonstop auf dem Boot verbrachte, sondern weil sie sehr viel und vor allem erfolgreich gefeedert hat.

Jetzt schlug allerdings das Wetter um: der Herbst war angekommen und ein Unwetter jagte das nächste. Gewitter, Starkregen und Sturm ließen den Pegel in den folgenden Tagen um mehrere Meter ansteigen, was für uns hieß, einen Taktikwechsel zu vollziehen. Mittlerweile war aus dem Niedrigwasser ein Hochwasser geworden und wir peilten Überschwemmungsgebiete an, in denen sich riesige Schwärme von Meeräschen versammelten und die Waller in einen wahren Fressrausch gelangten. Der Fluss sah mittlerweile aus, als ob sich nur noch eine dicke Schlammschicht ihren Weg bahnt. Bäume, Äste und jede Menge Dreck wurden mitgerissen, so dass eine Unterwasserposenmontage sofort alles eingesammelt hätte. Deshalb wechselten wir die Montage und setzten auf Abrissmontagen, die wir an Bäumen und Sträuchern befestigten, so dass die komplette Hauptschnur aus dem Wasser war. Das funktionierte ganz gut, aber trotzdem wurde es schwieriger als gedacht, jetzt einen Wels an den Haken zu bekommen und so mussten wir uns ab nun an jeden Fisch hart erkämpfen. Diese hatten sich allerdings an den Äschen kugelrund gefressen und brachten richtig Gewicht auf die Waage.

Nach unvergesslichen 13 harten Nächten neigte die Tour sich dem Ende entgegen und wir konnten auf eine traumhafte Bilanz zurückblicken. Einen besten Dank gilt hier wieder Markus Eule, sowie Jan Klösch, die einen einzigartigen Service in der Waller-Welt bieten und uns beispielsweise durch den Köderfisch- und Steinvorrat die Tour um einiges erleichtert haben.

Schleimige Grüße
Ruwen Koring
www.team-black-cat.com
www.catfish-hunters.de