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14.10.2013

Dicker Start in den September

Es war Anfang September und der Herbst kündigte sich mit kalten Nächten bereits in Deutschland an und ich war gespannt, was mich in Spanien erwarten würde. Nach 18 Stunden Autofahrt war es endlich geschafft und ich stand wieder an den Ufern des Ebros. Erschrocken, wie warm es hier noch war, konnte ich mir bereits denken, wie warm das Wasser noch sein musste. Ein Blick auf das Echolot bestätigte meine Befürchtung. 24Grad Celsius! Das große Herbstfressen war noch lange nicht in Sicht bei der Wassertemperatur. Somit war vor Tour-Beginn bereits klar, dass es harte Arbeit und viele Platzwechsel geben wird, um ständig an gute Fischen heran zu kommen. Wer große Camps errichtet, wird zu dieser Zeit nicht wirklich erfolgreich sein. So aber erst mal ab zum Bahnhof nach Reus und meine Gäste abholen und gucke,n für welche Sachen sie überhaupt zu haben sind.

Am Bahnhof angekommen winkten die zwei aus der Steiermark, dem schönen Österreich, mir bereits zu - und wie soll es anders sein, jeder mit einem frisch gezapften „San Miguel“ in der Hand. Der erste Spruch war: “mit dem spanischen Bier haben wir uns bereits vertraut gemacht, jetzt fehlen nur noch die spanischen Waller“. Ich lachte nur und sagte: “Kümmert ihr euch ums Bier und ich übernehme die Waller, dann wird es ein Weltklasse-Urlaub“. Wir verstanden uns auf Anhieb und waren sehr schnell auf einer Wellenlänge. Was mir besonders an den Jungs gefiel, sie waren zu allem bereit, egal welcher Platz, egal welcher Aufwand, "wir sind dabei". Gesagt getan, schnell noch einkaufen gefahren für die Woche, um keine Minute am Wasser zu verschenken, denn wir hatten viel vor.

Schnell ging es ins Camp, das Boot beladen, um schnell aufs Wasser zu kommen, denn wir hatten nur noch drei Stunden bis Sonnenuntergang. Als ich den Spaten, eine Säge und eine Spitzhacke ins Boot packte, grinsten die beiden bereits und wussten Bescheid. Ich entschied mich gleich am ersten Tag für das Hardcore Programm und somit einen Platz im Steilhang, der noch gar nicht existierte, zu bauen. Das sind genau die Plätze, die keiner fischt, da alle zu viel Zeug dabei haben. Nach zwei Stunden Platzbau, reichlich Dörnern in den Händen und jede Menge Schweiß war der Platz fast perfekt. Es passten nur zwei Liegen hin und das nicht einmal gerade, so mit beschloss Hannes in der Hängematte zu schlafen, was ich ziemlich amüsant fand, da ich mir bildlich vorstellen musste, wie er beim Biss da wohl raus kommt.

Die Bojen waren sehr schnell gesetzt, dank meinem neuen Spielzeug mit Strukturscan und Side Imaging. Sie lagen auf den cm genau an ihren Bestimmungsorten und das Warten konnte beginnen. Die Ruten tanzten den Wellen nach und die Köder arbeiteten perfekt. Es passierte nichts, bis um 2 Uhr in der Nacht die Rute nach vorne schnellte und Hannes aus der Hängematte als erstes an der Rute stand. Ich war schon sehr beeindruckt! Nach kurzem Drill konnten wir einen 1,30m Waller landen und er konnte seinen ersten spanischen Waller in den Händen halten. Den Rest der Nacht blieb es ruhig. Ich wollte diesen jungfräulichen Platz einfach noch nicht verlassen, da hier richtig gute Fische standen. Somit beschloss ich alle vier Bojen noch einmal auf andere Tiefen sowie an anderen Kannten zu fischen. Gesagt getan, und es kam wieder nur ein kleiner Waller in der Nacht. Mir war sofort klar, dass hier im See bis zum Vollmond sehr wenig passieren wird. Die Fische standen auf allen Tiefen und waren vollgefressen. Sofort  slippten wir unser Boot aus dem Stausee und ging eine Etage tiefer in den Zwischenstau. Die Vorteile von diesem Abschnitt sind die flachen krautigen Bereiche, wo man die Fische sehr schnell ausmachen kann.

Wir endschieden uns für einen Platz an einem Fäkalieneinlauf direkt vom Dorf. Ich kann euch sagen, bei Sonne und 35 Grad im Schatten…, so ein Gestank ist nicht gerade schön, besonders nicht, wenn vor einen die Sch.... Haufen an der Oberfläche treiben. Ich wusste bereits im Vorfeld, dass hier wahre Giganten wohnen und deshalb fragte ich meine Gäste noch einmal, ob wir es hier versuchen wollen. Beide sagten „Sch.... drauf, klar versuchen wir es hier“. Und ich musste laut lachen und erwiderte: „Genau Sch… drauf". Im wahrsten Sinne des Wortes…

Die Bojen waren schnell gelegt und ich endschied mich Freeline zu fischen, direkt über den Krautfeldern. Die vier Montagen lagen gerade an ihren Platz und die Sonne knallte voll auf die Wasseroberfläche, als auf einmal ein Waller von über 2m Länge sich aus dem Wasser schraubte und unseren Köder attackierte. Meine Gäste haben vor Freude dann glatt zu früh angeschlagen. Passiert schnell! Die Rute wieder scharf gemacht und weiter geht’s. Die Montagen lagen keine 15 Minuten und es passierte wieder! Ein Waller von weit über 2 m Länge schraubte sich mit kompletter Länge aus dem Wasser und saugte unsere Karausche von der Oberfläche, ein Wahnsinns Anblick. Der Fight begann und mein Gast Andi musste zeigen, was er kann. Nach 15 Minuten konnten wir den riesigen Schädel das erste mal sehen und mir war sofort klar "der hat 2,40m!“. Andi, komplett aus dem Häuschen, gab noch mal alles. Nach weiteren 5 Minuten konnte ich ihn sicher landen, 2,45m! Der Wahnsinn, und die Freude war riesig. Genau eine halbe Stunde später kam wieder eine heftige Attacke an der Oberfläche und diesmal war Hannes dran, der mächtig zu kämpfen hatte, denn auch sein Gegner am anderen Ende war nicht klein. Nach 15 Minuten trauten wir unseren Augen nicht: „wieder so ein Gigant!" Das genaue messen ergab 2,40m und ab diesem Moment gab es für die Jungs kein Halten mehr. Ein Doppelpack von über 2,40m, "der Wahnsinn!". Beide hatten innerhalb von ein paar Stunden ihren P.B. getoppt!

Genau so ging die Woche weiter, wir kämpften und wurden jeden Tag mit mehreren guten Fischen belohnt. Selbst bei einem heftigen Sturm, der uns den Kies und Sand in den Schlafsack wehte, drillten wir weiter. Es sah danach aus wie nach einem Krieg, alles war mit einer dicken Sandschicht bedeckt und wir drei wie „die Erdhörnchen aus dem Ebrotal“. Trotz schwierigen Situationen meisterten wir zu Dritt jede Situation und erkämpften uns jeden Fisch. Gekommen sind zwei als Gäste, gegangen sind sie als Freunde, denn diese Woche wird uns Dreien noch lange in der Erinnerung bleiben. Mit 28 gefangenen Wallern, wovon acht die 2 m Marke knackten, war das ein Wahnsinns-Erlebnis .

In diesem Sinne: nur 1000% am Wasser bringen dicke Kracher.

Euer Chris
www.chris-adventure-tours.com