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15.01.2004

Karpfenhoch am Baggerloch

Die aussichtsreichsten Montagen, Zeiten, Köder und Plätze für einen erfolg-reichen Karpfenansitz am Vereinssee – zusammen gestellt von Stefan Seuß.

Prachtbursche von Karpfen – gelandet an einem Baggersee nach nur zweitägiger Fütterung.
Fänger Stefan Seuß freut sich aus vollem Herzen.

Piiiiip, und schon wieder wird Schnur von meiner Freilaufrolle gerissen. Ich haste schnell zur Rute und setzte den Anschlag. Nach wenigen Minuten kann ich einen feisten Zwölfpfünder in meinen Kescher geleiten. So langsam verstehe ich die Welt nicht mehr. Ich bin erst drei Stunden an diesem Baggersee und habe schon meinen sechsten (!) Karpfen gefangen. So viele Bisse kurz hintereinander habe ich an meinen „Hausflüssen“ Neckar und Rhein noch nie erlebt. Doch so super die Fangaussichten an Baggerseen auch erscheinen, ganz ohne ein paar Kniffe klappt es selbst an diesem Gewässertyp nicht.

Perfektes Timing
Die Karpfenzeit beginnt nach meiner Erfahrung im Frühjahr, sobald die Wassertemperatur neun Grad überschreitet. Ist es noch kälter, braucht man meist nicht auszupacken. Oft hat sich erst Mitte April oder Anfang Mai das Wasser in den Seen so erwärmt, dass einem erfolgreichem Karpfenfischen nichts mehr im Wege steht. Die Sommermonate herrscht an den meisten Seen dann starker Badebetrieb und man sollte sich auf die Morgen- und Abendstunden konzentrieren. Das Geplatsche der Badegäste schlägt den Karpfen tagsüber auf den Magen und sie verlassen die Uferzone, um sich im tieferen, ruhigeren Wasser aufzuhalten.
Die Abendstunden hingegen können zu waren „Prime Times“ werden. In den Uferregionen wurde sehr viel natürliche Nahrung aufgewirbelt, die von den hungrigen Wühlern nur noch eingesammelt werden muss.
In den Herbstmonaten verschwinden auch die hartgesottensten Badegäste und die Wassertemperatur verringert sich langsam. Jetzt fressen die Seekarpfen sich den Winterspeck an. Wer auf Kapitale aus ist, muss jetzt seine Ruten auslegen und orientiert sich dabei am besten an Plätzen, an denen die Wassertiefe von vier auf acht Meter fällt.

Hot Spots – gewusst wo!
Der zu befütternde und später auch zu beangelnde Platz ist wohl das wichtigste bei der Karpfenwaid. Darf man auf sein Hausgewässer mit Boot und Echolot, findet man sehr schnell Kanten und Erhebungen unter Wasser, an denen es sich lohnt, seine Köder auszulegen. Wenn dies nicht möglich ist, muss man andere Wege gehen – zum Beispiel den ansässigen Angelverein kontaktieren und sich die Gewässerkarte mit allen Untiefen zeigen lassen. Suchen sie im Frühjahr flache Plätze mit ein bis drei Meter Wassertiefe auf. Hier erwärmt sich das Wasser viel schneller als an den anderen Bereichen des Sees und die natürliche Nahrung ist in großer Menge vorhanden.
In den Sommermonaten sind Bereiche Erfolg versprechend, wo Karpfen regelmäßig an der Oberfläche rollen. Plätze in unmittelbarer Nähe sollten jetzt beangelt werden. Badestrände, sofern diese für Angler zugänglich sind, können wahre Hot Spots in den Abendstunden sein. Meist sind diese Gewässerabschnitte fast krautfrei und die Fische finden sehr schnell die ausgelegten Köder. Ansonsten kann man in der Sommerzeit auch an jedem anderen ufernahen Platz Karpfen anfüttern, da sie dauernd auf Futtersuche sind.
Im Herbst und Winter sind Erhebungen unter Wasser in großer Uferentfernung der Treffer, da die Fische kaum noch in die jetzt schnell abkühlenden Randzonen vordringen. Probieren sie es ruhig auch mal in Wassertiefen über 15 Metern, es kann sich, wie ich aus eigenen Erfahrungen weiß, lohnen.

Sonnenuntergang am Baggersee. Die Top-Zeit für dicke Wühler im Sommer.

Locken lohnt sich
Ich persönlich füttere in der frühen Jahreszeit überwiegend Partikel, wie z.B. Hartmais (bitte eine Stunde kochen!), Weizen, Pellets und Boilies der Größe 18 Millimeter. Wer in der Frühlingszeit größere Proteinkugeln fischt und füttert, wird die Karpfen eher vergrämen als zum Fressen anregen. Kleiner Tipp: Füttern sie nicht Wochen im voraus, sondern probieren sie schon mal nach 2 Tagen, ob die Fische ihr Futter überhaupt annehmen. Falls nicht, verschwenden sie Geld – dann besser einen anderen Platz suchen.
In den Sommermonaten können sie jedoch „kübeln“, was ihr Geldbeutel her gibt. Ich füttere in einer Woche oft mehr als 20 Kilogramm Boilies und hatte nie den Eindruck, die Fische damit zu sättigen. Ganz im Gegenteil, denn wer große Fische anlocken will, muss denen auch etwas bieten. Ein Karpfen von über 20 Pfund nimmt alleine mehr als ein Kilo Boilies am Tag auf und wenn zuvor ein Schwarm kleinerer Karpfen über den Futterplatz gezogen ist, so ist dieser leer, bevor der erste dicke Fisch überhaupt eintrifft. Punktgenaues Füttern, wie es sehr viele propagieren, ist meiner Meinung nach übrigens mehr schädlich als nützlich.
In der Herbstmonaten fressen sich die Karpfen ihren Winterspeck an und machen auch nicht vor 24 Millimeter Boilies halt. In der Winterzeit gilt dann der Spruch „Weniger ist Mehr“ im vollen Umfang. Häufig eingebrachte, indes kleine Futtermengen halten die Fische den ganzen Winter über in Platznähe und Sie haben gute Chancen, auch bei Eis und Schnee noch mal einen Biss zu bekommen.

Starke Combo für Karpfenfans: Rhino DF-Karpfenrute sowie ZebcoTopic RC-Freilaufrolle.

Köderwahl und Montagetipps
Vergessen sie vor lauter Boiliewahn nicht die alt bewährten Köder wie Mais, Erdnüsse, Kichererbsen oder die Kartoffel. Diese Köder eignen sich alle sehr gut für die Haarmontage und lassen sich einsetzen wie ein Boilie, bringen aber häufig sogar mehr Bisse.
Als Montage verwende ich oft das Safety Bolt Rig, da es sich verwicklungsfrei werfen lässt und bei einem Biss für einen sicheren Selbsthakeffekt sorgt. Bleie verwende ich auch in stehenden Gewässern mit Gewichten von 80 Gramm aufwärts, um den Hakensitz im Karpfenmaul zu verstärken.
Eine Alternative dazu ist das Helicopter Rig. Der Name zeugt daher, dass sich das Vorfach beim Wurf wie ein Rotor dreht und dadurch Verwicklungen verhindert. Die meisten benutzen diese Montage für extreme Weitwürfe.
Als dritte Montage kommt eine mit einem Inline-Blei in Frage, sie ist meine meistgewählte Festbleimethode. Das Blei ist hier auf die Schnur aufgezogen und kann sich im Drill nicht so leicht in Unterwasserhindernissen fest hängen.


Drei Top-Montagen (v.l.n.r.): Safety Bolt Rig, Helicopter Rig (ohne eingehängtes Vorfach) und Inline-Rig.