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06.11.2003

Volle Ladung im Strom

Flüsse sind für Karpfenangler ein schwieriges Pflaster.



Strömung, Treibgut und der oftmals rege Schiffsverkehr erschweren ihm sein Hobby. Doch gerade in großen Strömen besteht die Aussicht auf Kapitale!

Flüsse sind für Karpfenangler ein schwieriges Pflaster. Strömung, Treibgut und der oftmals rege Schiffsverkehr erschweren ihm sein Hobby. Doch gerade in großen Strömen besteht die Aussicht auf Kapitale! Stefan Seuß vom Zebco-Team erläutert, wie Sie hier zum Erfolg kommen.

Wer kapitale Karpfen fangen will, ist an großen Flüsse bestens aufgehoben. Die unterschiedlichen Bodenstrukturen bieten große Mengen an natürlicher Nahrung, die die Wühler rasch wachsen lassen. Wenig verwunderlich deshalb, dass Rekordfangmeldungen oft aus Strömen wie Rhein, Main, Neckar oder Weser stammen. Doch um den ersehnten Erfolg am Fluss zu haben, muss man einige Punkte beachten.
1. Jahreszeit
Ob warm oder kalt spielt nicht eine so große Rolle wie an stehenden Gewässern. Durch die Strömung sind die Fische dauernd in Bewegung und verbrauchen Energie, die sie durch Nahrungsaufnahme wieder decken müssen. In der kalten Jahreszeit reduzieren die Karpfen ihren Stoffwechsel auf ein Minimum, stellen die Nahrungssuche jedoch im Gegensatz zu Seen nie ganz ein.
Wenn der Frühling kommt und die ersten Hochwässer die Schneeschmelze in den Bergen ankündigen, ist für uns Angler erst einmal Pause angesagt. Die Fische ziehen sich meist unerreichbar in tiefe Gumpen zurück, um dem starken Wasserdruck zu entfliehen. Sobald sich der Wasserpegel wieder normalisiert, bereiten sich die Karpfen auf ihr Laichgeschäft vor und fressen sich die über die Winterzeit verbrauchte Energie schnellstmöglich wieder an. Wer jetzt seine Köder auslegt, wird leicht einige hungrige Frühjahrskarpfen fangen.
Wenn die Wassertemperatur 12 bis 15 Grad erreicht, laichen die Karpfen ab und nehmen kaum Nahrung zu sich. In flachen Flussbereichen, in Altarmen und Buhnenfeldern kann das Hochzeitsspiel beobachtet werden. Anfang Juni ist dieses vorbei und die Fische erholen sich von den Strapazen. Von nun an fressen die Karpfen regelmäßig. Im Herbst geht es mit wieder sinkenden Wassertemperaturen richtig zur Sache. Die Fische veranstalten wahre Fressorgien, um sich Energiereserven für den Winter anzufuttern. Jetzt bestehen beste Chancen, kapitale Exemplare auf die Schuppen zu legen.
2. Location
Die Plätze zu finden, an denen sich Karpfen aufhalten und fressen, ist der wichtigste Schritt zu dauerhaften Erfolgen. Dem aufmerksamen Anglerauge verraten sich Hot Spots, die man bei der Platzwahl beachten sollte. Einige Beispiele:
• Schleusen Die Bereiche vor und hinter Schleusen und Wehranlagen gehören zu den interessantesten Plätzen an Flüssen. Oberhalb findet der Angler stehendes Wasser und reichhaltige Muschelvorkommen, die sich an den Betonmauern der Schleusen festsetzen und zur Hauptnahrung der Karpfen gehören. Im Bereich unterhalb strömt das Wasser schneller und ist sauerstoffreicher - aussichtsreich vor allem vor der Laichzeit und in den Sommermonaten.
• Altarme Das stehende Wasser der Altarme erwärmt sich sehr schnell und bietet Lebensräume für viele Kleinstlebewesen, die ebenfalls auf dem Nahrungsplan der Karpfen stehen. Besonders in den Sommer- und Herbstmonaten winken Erfolge in diesen stillen Bereichen.
• Buhnenkessel Weit in den Fluss hinein ragende Steinschüttungen bieten den Fischen Ruhezonen abseits der starken Strömung. Muscheln und Krebse sind auf dem kiesigen Grund eine leichte Beute für die Karpfen. Besonders in den Abendstunden ziehen die Fische in die Buhnenfelder zum Fressen.
• Kurven Kurven sollte man ebenfalls Beachtung schenken. Auf der Innenseite ist das Wasser flach und fällt nur langsam zur Fahrrinne hin ab. Sehr fangträchtig bis in den Frühsommer, wenn sich das Wasser langsam erwärmt. In der zweiten Jahreshälfte hingegen sollte man seine Köder mehr im tieferen Wasser der Außenkurve anbieten.
3. Futter und Ködertaktik
Die Köderindustrie boomt, die angebotene Palette reicht von Boilies über Mais, Nüsse, Teig, bis hin zu Hundefutter, Erbsen, Pellets und noch vielem mehr. Doch egal, der Köder muss letztlich zwei Kriterien erfüllen: er sollte nährstoffreich sein und der Angler muss ihm vertrauen.
Meine Anfüttertaktik mache ich von den Gegebenheiten wie Jahreszeit, Fischbestand sowie zu erwartender Stückgewichte abhängig. Über je mehr Erfahrung man verfügt, umso besser klappt die Dosierung. Meine Faustregel: Im Frühjahr etwa zwei Kilo Partikel (Hartmais, Kichererbsen, Tigernüssen oder Bohnen) und ein Kilo Boilies pro Tag, im Sommer deutlich größere Mengen an Partikeln und bis zu 5 Kilo Boilies pro Tag! Wenn der Winter näher rückt, verwende ich nur noch Boilies, da die Karpfen jetzt überwiegend sehr proteinreiche Nahrung suchen, um die Reserven für den Winter zu bekommen.
Am besten füttert man spät am Abend oder nachts, da der Schiffsverkehr dann weitest gehend ruht. Das Futter bleibt so am gewünschten Platz länger liegen. Es ist sinnvoll, einige der Futterboilies durchzuschneiden. Das erhöht deren Anzahl am Grund und die Duftwirkung aufgrund der frischen Schnittfläche.
4. Gerät und Montage
Das Angelgerät muss am Fluss eine Nummer stärker als am See gewählt werden. Ich verwende eine 0,34 oder 0,39 mm monofile Schnur mit einer Tragkraft von ca. 10 bzw. 12,5 kg (Rhino Protector, Zebco). Karpfenruten mit 2,75 oder 3 lb Testkurve und einer Länge von 3,60 m sind die richtige Wahl (Rhino DF Carp, Zebco, oder Energy Carp, Quantum). Bei der Wahl der Freilaufrolle ist auf eine tiefe Spule mit guter Abwurfkante zu achten (z.B. Energy BCS 765, Quantum). Die Verwendung von Schlagschnüren ist im Fluss ratsam, damit scharfkantige Steine oder Muschelfelder der Schnur nichts anhaben können. Als Montage benutze ich Safety Bolt Rigs oder Helicopter Rigs. Diese lassen sich sehr sauber werfen und verhängen sich nur selten am Grund. Bleigewichte von 100 bis 180 g sorgen dafür, dass der Köder liegen bleibt und der Selbsthakeffekt eintritt. Um in der Strömung möglichst wenig Druck auf die Schnur zu bekommen, sollte man seine Ruten mit Hilfe eines Dreibeins hoch stellen.